Samstag, 26. Oktober 2013

Medienkompetenz

Neulich schaffen es Trigger vermehrt, mich in ihren Bann zu ziehen. So zuletzt geschehen bei der von @dorobaer initiierten Wunschliste für die Koalitionsverhandlungen mit dem Schwerpunkt "Neuland".

Von vorn.

Vor einiger Zeit erfuhr ich vom Verbot von Facebook für Lehrer in Baden-Württemberg. Das sollte wohl zum Schutz der Schüler - und Lehrer - geschehen. Distanz aufrecht erhalten, Wahrung von Privatsphäre und so. Das ist herzlich akademisch gedacht und mindestens ebenso herzlich an den Lebenswirklichkeiten vorbei. Gleich mehr dazu (erstmal mag ich den Trigger noch in seiner ganzen Schönheit zusammenbauen).

Auf der Fahrt zu einer Konferenz in Frankfurt fielen mir die gesammelten Totholzwerke in der ersten Wagenklasse - und das fehlende WLAN - auf. Bei der Bahn regte ich an, doch die digitalen Ausgaben ebenso kostenfrei anzubieten, wäre ja für alle effizienter und resourcenschonender. Die Antwort und die Nichtreaktion auf meinen Einwand zeigen, dass es auch beim Twitterteam der Bahn noch Kunden für Angelas Neuland gibt.

Auf der Fahrt schließlich rutschte mir zuerst @presroi in die TL, man möge doch dem Tag #UADA folgen. Das sagte mir zu dem Zeitpunkt noch nix, aber kurz danach rutschte mir zusehends mehr davon ins Blickfeld. Nachdem @thodenk die Aufstellung der Teams für die Koalitionsverhandlungen leakte, und die beim Pelzig noch vor Kurzem vom Barwasserschen und der @manomama arg gewatschten Doro Bär nach Vorschlägen fragte, war mein Trigger fast komplett.

Fehlte nur noch ein unglaublich resistenter Herr (Name der Red. bekannt), der unermüdlich vergeblich sein Phone mit dem MacBook Air zu verheiraten versuchte - unter Windows 8. Und der schließlich den ungesperrten Rechner für eine ausgiebige Pause stehen ließ.
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Als ich schließlich eben diesen Beitrag einer Berliner Lehrerin in der ZEIT las, beschloss ich, meine 2 Cent in die Waagschale zu werfen - hier sind meine Gedanken zum Thema

Medienkompetenz.

Es ist wie eingangs erwähnt lebensfern, Facebook in der Schule verbieten zu wollen. Anstatt Schülern und Lehrern zu verbieten, sich mit sozialen Pattformen zu beschäftigen, sollten sie darin geschult werden, wie sie sich in diesem Medien bewegen. Was es heißt, dort Daten zu veröffentlichen. Was es bedeutet, wenn über Whatsapp Intima ausgetauscht werden. Was es bedeutet, auf Instagram oder Tumblr Bilder von sich zu posten.

Es geht nicht nur darum, die Inhalte aktiv und passiv verantwortungsvoll zu nutzen. Zu wissen, was mit den Daten geschieht, die "mal eben" geteilt werden. Es geht nicht nur darum, zu lernen, wie eine Tageszeitung (gleich in welcher Form) gelesen werden kann, was Journalisten und Blogger unterscheidet oder verbindet. Es geht nicht nur darum, zu lernen, verschiedene Standpunkte einnehmen zu können. Es geht nicht nur darum, wie mensch in der vernetzten Gesellschaft Wissen nutzt und aufbaut.

Es geht auch um die Proprietät der Anwendungen, die geschlossenen Plattformen, die sich davonschleichende Neutralität von Diensten und Services im Internet. Sie erfordern ein Verständnis auf der Metaebene der Kommunikation. Es geht auch darum zu verstehen, was Medien erreichen wollen. Es geht darum zu hinterfragen, wie die Medienlandschaft funktioniert.

Was unterscheidet denn die digitale Ausgabe der Süddeutschen von deren Internetseite? Was heißt Verantwortung im Umgang mit sensiblen Daten auf unseren tragbaren Geräten? Was genau ist die Vision eines Marc Zuckerberg, un ab welchem Punkt ist mensch womöglich nicht mehr konform mit diesen Vorstellungen? Welche Schlüsse kann mensch daraus ziehen? Von welcher Bedeutung ist für mehrheitlich alte weiße Herren ein so umfassendes "Neuland", dass sie es als Subkategorie unter die "Kultur" in die Koalitionsverhandlungen einsortieren? Wie wenig Bewusstsein existiert für ein Medium, das inzwischen ein integraler Bestandteil des Persönlichkeitsprofils junger Menschen ist? Warum sonst ist ein junger Mensch ohne ein "digitales Ich", ohne Spuren im Netz, fast schon generalverdächtig? Warum fordern nicht nur von kommerziellen Interessen geleitete Geister, sondern auch jüngere Politiker ein grundlegendes Umdenken bei dem Begriff "Privatsphäre"?

Es gibt viele Fragen zu beantworten. Fragen, die die Medienkompetenz in diesem Land (aber nicht nur hier) betreffen. Dabei geht es nicht nur um die förderungswürdige Medienkompetenz, die ich mir für unsere Jugend wünsche. Es geht auch darum, die Medienkompetenz der mehrheitlich alten weißen Herren herzustellen. Denn deren Verständnis dafür ist die Basis, dass sie die richtigen Weichen überhaupt zu setzen vermögen.





Sonntag, 20. Oktober 2013

Sonntag, 13. Oktober 2013

Umstiegsservice bei der Deutschen Bahn: Für Mobilitätseingeschränkte

Anruf bei der Deutschen Bahn, Abteilung Service. Es geht um eine Hilfe beim Umstieg mit einem Kinderwagen. Erster Anrufversuch. Ansage "Dieser Service der Deutschen Bahn kostet Sie 20 Cent pro Anruf." ertönt, danach bricht die Verbindung ab. Zweiter Anruf. Diesmal klappt's.

Reisende: "Guten Morgen. Ich fahre morgen von Neu Wulmstorf nach Göppingen. Da ich mit einem Kinderwagen allein reise, wollte ich gern Ihren Umstiegsservice in Anspruch nehmen - zuletzt waren die Aufzüge und Rolltreppen in Harburg häufig nicht nutzbar. Dort muss ich aber umsteigen."

Bahn-Hotline: "Mit welcher Verbindung fahren Sie?"

Reisende: "Morgens mit Der S-Bahn um 5:01 bis Harburg, dann mit dem ICE. Der Umstieg in Stuttgart ist unproblematisch, das ist ja ein Kopfbahnhof."

Bahn-Hotline: "Das sind nur 10min Umsteigzeit. Wir bieten den Service nur mit einer Mindestumstiegszeit von 15min."

Reisende: "...?!"

Bahn-Hotline: "Außerdem ist um die Uhrzeit ist noch keiner in Harburg, da müssen Sie bis Hamburg Hauptbahnhof fahren."

Reisende: "Dann erreiche ich den ICE aber nicht mehr."

Bahn-Hotline: "Nehmen Sie doch eine S-Bahn früher."

Reisende: "Dann müsste ich den Nachtbus fast zwei Stunden früher nehmen, in Harburg in die S-Bahn umsteigen, wobei mir keiner helfen kann, weil noch niemand da ist, um - lassen sie mich schauen (Pause, fixe Internetrecherche) - 12 Minuten vor Abfahrt des ICE in Hamburg am Hauptbahnhof zu sein?"

Bahn-Hotline: "Das sind weniger als 15min Umsteigzeit, da können wir Ihnen den Service nicht anbieten."

Reisende: "Und wie kann ich jetzt sicherstellen, dass ich die mir von Ihren Kollegen verkaufte Verbindung nutzen kann?"

Bahn-Hotline: "In Stuttgart gibt es auch Aufzüge. Dort können Sie diese nutzen. Da können wir Ihnen den Umstiegsservice anbieten."

Reisende: "Stuttgart ist ein Kopfbahnhof. Die Aufzüge dort gehen zur S-Bahn. Die brauche ich nicht nutzen, weil ich nur ebenerdig von einem Zug zum nächsten gehen muss. Dort brauch ich den Service nicht, sondern beim Umstieg in Hamburg-Harburg!"

Bahn-Hotline: "Aber in Stuttgart können Sie unseren Service nutzen."

Reisende: "Danke für nichts."

Aufgelegt.

Dienstag, 8. Oktober 2013

20 Dinge, die keine 42 sind

Nachdem Juna so nett fragte, versuche ich mal, meine chronische Faulheit zu überwinden und das Stockblögchen... Pardon: Blogstöckchen aufzunehmen und weiterzutragen.

20 Dinge über mich. Reihenfolge: willkürlich.

1. Ich bin ein ziemlich chaotischer Mensch. Aus diesem Grund und der latenten Befürchtung heraus, in diesem Chaos zu ersaufen, neige ich zu Ordnungswahn, der mich in unregelmäßigen Abständen überfällt und zu hektischer Betriebsamkeit verleitet.
2. Ich bin chronisch schreibfaul, was in Kombination mit ersterem dazu führt, dass ich, wenn ich denn mal etwas schreibe, vergleichsweise viel am Stück von mir gebe und dann wieder in Ruhe und vermeintlicher Wortlosigkeit versinke. Das ist vergleichsweise gut nachvollziehbar, wenn man sich mal meine Äußerungen auf Twitter zu Gemüte führt.
3. Nicht bleibt besser in meinem Hirn haften als unnützes Wissen.
4. Wenig gebe ich lieber an meine Mitmenschen weiter als eben dieses unnütze Wissen. Demzufolge bezweifle ich, dass es in meinem näheren Umfeld noch eine Person gibt, die nicht inzwischen weiß, dass Erdbeeren Sammelnussfrüchte sind. (Ja, genau, die kleinen Pickel auf dem roten Böbbel sind die Früchte, nicht der so wundervoll süß-aromatische Scheinfruchtkörper!)
5. Der Drang, mich als Erklärbär zu verdingen, ist in Verbindung mit Punkt 4 eine wirksame Kombination, die Geduld meines Gegenüber auf eine harte Probe zu stellen. Gern auch mal unbemerkt.
6. Ich höre gern zu. Tue ich das, erscheine ich reichlich passiv, tatsächlich versuche ich, mich in mein Gegenüber hineinzuversetzen.
7. Empathie gehört meiner Meinung nach zu den Schlüsselindikatoren für Menschlichkeit bzw. Empfindsamkeit im Generellen. Entsprechend intensiv gebe ich mich ihr auch hin.
8. Ich weigere mich, aufgrund schlechter Erfahrungen anderen gegenüber verschlossener oder vorsichtiger aufzutreten. Jeder Mensch verdient meiner Meinung nach die gleiche Offenheit und Unvoreingenommenheit. Das mag mich verletzlicher machen, weil ich leichter auf die gleiche Weise ausnutzbar bin, aber den Preis bin ich gern bereit zu zahlen.
9. Als Konsequenz zu Punkt 8 ist für mich Gleichberechtigung essenziell. Und das meint nicht etwa nur die Gleichberechtigung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Abstammung oder Geschlecht. Sondern auch die Gleichberechtigung von Mensch, Tier und Natur.
10. Jemand anderes glücklich zu machen macht mich glücklich.
11. Ich halte die aktuell vorherrschenden westlichen Demokratieformen für überkommen und stark renovierungsbedürftig.
12. Ein guter Wein und ein gutes Gespräch ist für mich mehr wert als alles Geld der Welt.
13. Macht gehört meiner Meinung nach in die Hände derer, die nicht nach ihr begehren.
14. Obwohl ich in einer "traditionellen Ehe" liiert bin, halte ich diese Form des Zusammenlebens nicht für die einzig wahre, ja noch nicht einmal für die beste. Liebe braucht weder eine Institution noch eine Formalisierung. Sie gehört verschenkt und empfunden, nicht mehr und nicht weniger.
15. Menschen, die meinen, "nur eine einzige Person je" zu lieben, halte ich für unglaublich arm. In der Tat hege ich persönlich Zuneigung zu mehr als einer Person, auch dergestalt, dass ich offen von Liebe sprechen würde. Gleichwohl heißt das nicht, dass ich deswegen den besagten Kreis (der übrigens aus mehr als einem Geschlecht besetzt ist) gern begatten würde. Liebe und Sex sind für mich zwei Paar Schuhe, die gern zusammengehören können und dürfen, aber längst nicht müssen.
16. Absolutismen beliebiger Couleur sind ein rotes Tuch für mich. Sie sind bestenfalls Indikatoren dafür, dass eine Person versucht, anderen das eigene, simplifizierte Weltbild zu oktroyieren.
17. Ich neige dazu, meine Satzkonstruktionen derart zu verkomplizieren, dass die grammatikalischen Kostruktionen, garniert mit allerlei sinnarmen Nebenkonstrukten, verziert mit bevorzugt ältlich angehauchter Wortwahl, sowohl mich als auch den am Ende des Satzes unter Umständen weniger geneigten Lesenden* gern zur Verwirrung führen.
18. Ich mag keine Listen.
19. Wenn ich merke, dass ein Mensch jemand anderes ausnutzt, benutzt, degradiert, etc., schwillt mir der Kragen. Viel zu oft bleibe ich in solchen Situationen allerdings still, zum einen, weil ich mir nicht sicher bin, die Situation nicht vielleicht doch falsch einzuschätzen, zum anderen, weil ich fast automatisch versuche, mich in die Beteiligten zu versetzen und sie zu verstehen - sowohl den Aktiven wie auch den Defensiven. Nur um mich anschließend zu ärgern, nichts oder nicht genügend getan zu haben.
20. Je ernster eine Situation ist, desto ruhiger und systematischer reagiere ich. Als beispielsweise vor einigen Jahren mein Bruder zuhause, schwer gezeichnet vom ihn verzehrenden Krebs nach mehr als 3 Jahren Kampf starb, blieb ich die komplette Zeit bei ihm, bis die physischen Reaktionen endeten. Parallel hielt ich mit aller Entschiedenheit unsere Mutter zurück, um ihr diesen Anblick des letzten Aufbäumens, des letzten Kampfes, zu ersparen. Das Säubern von den Spuren, die Herrichtung für die Abholung durch die Bestatter, alles lief in tiefer Ruhe ab. - Die Bilder werden mich ein Leben lang verfolgen. Aber eben nur mich, nicht andere.
21. Abrupte Wechsel kann ich gut - mal abgesehen von meinem schwermütigen Schreibstil bin ich im Gründe genommen ein ziemlich humoristisch angehauchtes Menschenkind, das unglaublich gern lacht und sich direkt nach Dingen wie dem Nachdenken über Punkt 20 grinsend daran erinnert, wie eben jener Bruder bei meinem Pfeffer-Experiment (Muss er niesen, wenn ich ihm das in die Nase streue?) einen horrenden 20-minütigen Schnäuzanfall mit Dutzenden von Niesern hatte. (Ich war übrigens 10 und damals schon naturwissenschaftlich verdorben, er war 6).
22. Mit 13 las ich in der P.M. In einen Artikel über schwarze Löcher, dass diese Wärme abstrahlen. Da Wärme auch nur Energiearmes Licht ist und schwarze Löcher ihrem Namen nach nun eben kein Licht rauslassen sollten, wollte ich das genauer wissen. Niemand könnte mir das jedoch erklären, weswegen ich trotz mit Abstand schlechtester Note im Abi ein Physikstudium begann, das ich nach knapp 2 Semestern hoffnungslos unwissend abbrechen musste.
23. Nach dem dritten Bier auf einer Musikwissenschaftler-Party in Heidelberg erklärte mir 13 Jahre nach dem Artikel in der P.M. Und 7 Jahre nach dem gescheiterten Physikstudium jemand beim Grillen, wie das mit der Wärmeabstrahlung bei schwarzen Löchern funktioniert.
24. Als 5-Jähriger schlug ich mir beim Anschubsen meiner Kindergartenfreundin auf der Schaukel ein Loch in den Kopf. Als ich fühlte, dass dort etwas fehlte, begann ich unverzüglich, im Sand unter der Schaukel nach dem fehlenden Stück Haut zu suchen.
25. Als ich am Nachmittag mit dem genähten Loch im Kopf nach Hause kam, war ich mächtig stolz und brüllte es meiner Mutter aus dem Erdgeschoss durchs Treppenhaus in den3. Stock entgegen.
26. In der 5. Klasse traf mich die Erleuchtung, dass ich Idiot an der Schaukel hätte nachsehen können, ob dort das Stück Haut klebt.
27. Ich kann zwar zählen, aber Regeln sind auch eher so bla. (Außerdem: Siehe Punkt zwei.)

Gern mag ich dieses Dingens hier weitergeben, und zwar an die Holde, Sugarygoo und Juliane. Würd mich freuen, von euch zu lesen!