Donnerstag, 21. November 2013

Oh Zwitscherbaum, oh Zwitscherbaum...

Manch kleine Residualien wollen sich partout nicht aus dem Hirn nicht vertreiben lassen.
So geschehen zuletzt bei jenem unauffälligen Bonmot von Jasmin.
Da sich natürlich der Hirnwurm nicht ordnungsgemäß auf den gestrigen Heimweg terminieren ließ, sei ihm jetzt, hier und heute der nötige Respekt erwiesen.

Ein weniglich der Blödelei, Fortsetzung nicht ausgeschlossen. (Und ja, ich weiß ob der nicht Busch-gemäßen Reimschmiererei. Aber das Versmaß passt!)

Oh Twitterstream, oh Twitterstream,
Wie sehr ich dich doch schätze.
Du glühst nicht nur zur Tageszeit,
Nein auch des Nachtens, selbst wenns schneit.
Oh Twitterstream, oh Twitterstream,
Wie gern ich dich vernetze.

Oh Twitterstream, oh Twitterstream,
dir fehlt auch keine Pointe.
Links naht ein Hashtag, rechts ein Meme
Du hast noch jeden Storm verzieh'n.
Oh Twitterstream, oh Twitterstream,
selbst wenn ich sie versäumte.

Samstag, 16. November 2013

Premiere: Mein erstes Barcamp - Hamburg 2013

Was genau ist eigentlich ein Barcamp? Was für Leute treffen sich da? Was machen die da? Und wie ist das überhaupt, dabei zu sein, vielleicht sogar mitzumachen?

Letzteres erübrigt sich, wenn man erstmal begriffen hat, was ein Barcamp ausmacht - eben keine Frontalvorträge sondern ausschließlich "Mitmach-Runden", in denen Diskussionen ausdrücklich erwünscht sind.

Ich war letztes Jahr zwar auf der re:publica, aber ob das hier ähnlich werden würde oder anders - wer weiß? Retroperspektiv gesehen steht und fällt das meiner Meinung nach mit den Leuten, die du treffen kannst.

Nach zarter Verspätung gerade noch rechtzeitig zur Sessionplanung ankommend ließ ich mich also zuerst davon beeindrucken, was die zuhauf Anwesenden so alles an Vorschlägen für die verschiedenen Sessions hatten, die sie kurz auf der Bühne vorstellten (Fachjargon: pitchen.). Per Handzeichen wurde das Interesse bekundet, und direkt danach ging mit dem/r nächsten weiter.

Session pitching Day 1 bchh13

Als eher schüchtern-startender Charakter war also das "Barcamp for Beginners" genau der richtige Einstiegspunkt für mich, auch wenn ein weiterer Vorschlag bzgl. "autoerotischer Unfälle" von einer Urologin ebenfalls reichlich ungewöhnlich und daher interessant klang.
Die Geschichte der Barcamps war interessant, und schnell stellte sich heraus, dass die Schüchternheit für Newbies was ziemlich normales angesichts der scheinbaren Tatsache ist, dass sich alle zu kennen scheinen (nur man selbst ist natürlich ein Inselchen). Fazit: Bloß keine Scheu, alles total easy, das gesamte Event ist zu Fragen da - und zwar egal wen. Irgendwer wird schon wen kennen, der wen kennt, die die Antwort weiß...

Nach kurzer Mittagspause im Azubikreis (schließlich war mein Arbeitgeber auch ein Sponsor der Veranstaltung und der Räumlichkeiten [PS: Danke, OTTO! <3]) ging es für mich weiter mit dem KrisenPRCamp, das unter anderem die Herausforderungen spezifisch für die SocialMedia-Kanäle in den Vordergrund stellte und auf die unterschiedlichen Möglichkeiten verschiedener Organisationsstrukturen einging. Fazit: Weder Marketing noch die Rechtsabteilung sind perfekt geeignete Reaktionsredakteure, wenn's darum geht, dem Kunden auf Augenhöhe zu begegnen (egal auf welchem SocialMedia-Kanal).

Zwischendrin: Kaffee und Kuchen mit teils noch von der re:publica bekannten Gesichtern und einer ganz leicht im Vorbereitungstunnel befindlichen @Lestoire, die erst nach ihrer ersten Barcamp-Session mitschnitt, dass ich ich bin (wir hatten uns nämlich zum Kaffee verabredet).

Als nächstes ging's auch gleich in die Session von ihr und Rene, in der es darum ging, wie sehr sich die Welt verändern kann, wenn man einfach mal nur gelegentlich freundlich ist. (Prominenter Gegenspieler aus dem Publikum war übrigens @mthie, der sich schlussendlich zu einer "Gegensession" am nächsten Tag überreden ließ) These: Grüß doch einfach mal freundlich deine Bäckereifachverkaufskraft! (Gegenthese: Grüß doch einfach mal in der S-Bahn und versuch, dabei nichts als Psycho abgestempelt zu werden.) Fazit: Freundlich sein ist gut, Direktheit schadet auch nicht.

Gleich danach folgte für mich noch eine Session von Nina Diercks, die als namensgebender Teil von Dirks&Diercks (und ebenfalls Sponsor - danke!) sich - naheliegenderweise - über juristische Fallstricke im Social-Media-Bereich ausließ. Anhand der Kleinteiligkeit (Impressumspflicht auf Facebook-Seiten - und mobil, Äußerungen im Netz über Arbeitgeber oder dessen Angebote - und die unterschiedlichsten Urteile dazu) erschließt sich mir nicht, warum man sich derart verbiegen muss, um irgendwie Rechtskonformität (je nach Instanz und Ort) zu erzeugen. Fazit: Klingt alles sehr verdreht, auch wenn Nina vergleichsweise menschlich zu sprechen vermochte und nicht im Juristenslang versank.

Rechtsfoo mit Nina

Das zarte Störgefühl meinerseits war dann auch gleich Gesprächsthema im sich anschließenden Plausch, in dem es sich zentral um folgende Frage drehte: Ist ein Netzwerk, dessen offene Architektur zum freien Austausch von Wissen konzipiert wurde, die richtige Basis, um wirtschaftliche Begehrlichkeiten mit all dem juristischen Folgekrams rundum abzubilden? (Dazu werde ich mich wahrscheinlich mal in einem separaten Blogpost auslassen.)

Abschließend für Tag 1 stand noch Powerpoint-Karaoke auf dem Plan. Etwas, was ich bis dahin noch nicht kannte, aber nicht mehr missen möchte: Halte einfach mal spontan einen Vortrag zu einem Foliensatz, den du überhaupt nicht kennst!

Moeffju on Internet Sexuality

...und das war alles erst Tag eins. (Dabei hab ich noch mit keinem Wort die Diskussionsrunden rund um "Penis", Godwyns Law oder die EU erwähnt, die ich noch so erlebte.)

Am Samstag kam ich zur Abwechslung bereits zum Frühstück pünktlich an (Diesmal kein Pferdekucken mit'm Nachwuchs). Nach Pfeffer mit Rührei ging es direkt weiter in die Sessionplanung, die (wohl im Gegensatz zum letzten Jahr) erneut sehr gut besucht war - trotz der Morgenstund für die Feierfraktion also.

sessionpitching

Als erstes gab @mthie sein Kontra zum "Freundlichsein" vom Vortag - Und titulierte sich selbst ein Arschloch. Fazit: Dumme Menschen machen mein Nervenkostüm dünn, deswegen bin ich lieber Arschloch als scheinheilig.

asshole mthie

Weil mein Kopf langsam zu schwirren anfing, nahm ich mir nach der Session erst mal eine Auszeit und schrub stichwortartig nieder, was sich in meinem Kopf in den letzten so angesammelt hatte - quasi das Gerippe dieses Posts hier.

Nachdem dies länger dauerte als geplant, ging ich statt in die geplante Security-Session mit fukami zu einer Weinverkostung mit Anke und Volker - die sich über den Zeitraum von zwei Sessions erstreckte, aber statt der geplanten 6 zur verkostenden Weine gerade mal 3 schaffte. Gab schlicht zu viel über Anbaumethodiken, Rebsorten, unterschiedliche Länder mit unterschiedlichen Anbauarten, Prädikatsstufen, Geschmäcker und Geschichten, wie man zum Wein kam, zu berichten. (Insofern bin ich auch gar nicht mehr so verärgert über mich selbst, weil ich 3 eigene Weine vorbereitet hatte - und zuhause stehenließ.) Ich unterstütze daher explizit die Idee, dass die Session ein gesetztes Thema jedes Jahr wird - oder sogar über die gesamte Laufzeit explizit als "foodstream" durchläuft.

Kurzer Kaffee, weiter ging's - "Meine DM kam nicht von mir", wieder von fukami, der (für technisch unversierte vermutlich sehr fix) DNS, IPv6 und Bonjour durchdeklinierte und aufzeigte, warum mit der Erweiterung des Adressraums des Internets ganz neue, mögliche Angriffsmöglichkeiten geschaffen werden, die auch das Abfangen aktuell verschlüsselter Kommunikation (z.B. via WPA2) grundsätzlich ermöglicht. Von den Schwachstellen wie Zertifikatsgebern und Co. mal ganz abgesehen.

Wegen großer Nachfrage lief schließlich auch am zweiten Tag nochmals die Session zu den autoerotischen Unfällen - die sich (diesmal mit noch mehr Publikum als beim Erstdurchlauf) nicht nur Morbus Kobold, sondern auch ganz anderen abwegigen Interessen bevorzugt älterer Männer an Feiertagen widmete - Thermometer, Drähte, Maden und Gabeln in Harnröhren; Billardkugeln, Zucchini oder Vibratoren ins Rektum zu befördern... wtf?

Kurz: Ein eher unterhaltsamer Schluss einer unglaublich intensiven, informativen und erfreulichen Erfahrung namens Barcamp. Und die Essenz ist das hier:

bchh13-Essenz

Ich möchte schließen mit einem Zitat: "Schönen Feierabend!"

PS: Einen lieben Gruß und ein dickes Dankeschön! an der Stelle an die Unmenge von Leuten, mit denen ich derart viel Spaß und interessante Gespräche hatte: @fukami, @lestoire, @scottytm, @abknicker, @mileonnet, @renehamburg, @mthie, @rosine_bictoria, @littlejamie, @franks, @moeglichewelten, @volkermampft, @misskenzita, @kaorime, @itbibi, @diehauteculture, @realcaropedia, @kurzundknapp, @moeffju, @manumarron, die twitterlose Katharina und allen, die ich in dieser Erinnerungsaufzählung grad ungewollt erfolgreich verdrängt habe - ihr wart mein #bchh13! <3

Update: Da existieren bereits erste Reviews, die ich an der Stelle noch gern verlinken würde: Sowohl Sabine als auch Rene haben ihre Eindrücke geschildert. Und den Link zu den Sessionplänen von Freitag und Samstag passen auch an diese Stelle.

Montag, 4. November 2013

Service, Ausführung 'Spezial' mit der Impag GmbH und GLS

Es klingelt.

Der GLS-Mann steht vor der Tür, einen großen Schlitten in einer Plastiktüte in der Hand. Ziemlich überrascht nimmt meine Holde die Lieferung entgegen. Ein Telefonat später stellt sich heraus: Die Schwiegereltern haben das geplante Weihnachtsgeschenk vorab direkt zustellen lassen, da sie mit dem Zug anreisen wollen.

Dumm nur, dass wir bereits einen Schlitten besorgt haben. Und bei aller Liebe und dem beschränkten Platzangebot im Haus ohne Keller: Zwei Schlitten sind einer zu viel.

Da wir nicht die Auftraggeber sind und folglich auch weder Rechnung noch Rücksendeschein erhalten haben, bitte ich die Impag GmbH um die Zustellung eines Retourenscheins für das gute Stück.

"...Von: (Uns)>
An: <service@impag-shop.de>
Betreff: Rücksendung Lieferschein Nr 12345 (Schlitten Davos)

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir bitten um Rückgabe des unter o.g. Lieferscheinnummer zugestellten
"Holzschlitten DAVOS + Lehne".
Bitte organosieren Sie die Abholung des Artikels und lassen Sie uns ggf.
einen Retourenbeleg zukommen, damit wir den Artikel entsprechend
deklarieren können.

Mit Mit freundlichen Grüßen,

..."

Die Antwort kommt fix:

"...Guten Tag,
vielen Dank für Ihre E-Mail.

Anbei senden wir Ihnen die Retourenquittung und den Rücksendeschein für das Paket.
Bitte befestigen Sie den Retourenaufkleber auf dem Paket. So ist gewährleistet, dass die Rücksendung für Sie kostenlos ist.
Gerne senden wir Ihnen einen Link zur Suche für den GLS Shop in Ihrer Nähe zu:

http://www.gls-group.eu/276-I-PORTAL-WEB/content/GLS/DE03/DE/5006_gls_germany_paket_shop_suche.htm
Bei weiteren Fragen können Sie uns gerne kontaktieren.

Vielen Dank.

Freundliche Grüße
Impag Vertriebs-GmbH

(...Frau M.)
- Verkaufsleitung -"

OK, denke ich, GLS also. Rufste mal an.

"Was? Abholung? Machen wir nich."

Das war unmissverständlich. Aber den "Service" bin ich ja nun inzwischen von GLS gewohnt, weswegen ich darauf achte, nichts mehr mit dieser zweifelhaften Firma ausliefern zu lassen.

Also nochmal ein Versuch bei der Impag GmbH:

"...Sehr geehrte Frau M.,

vielen Dank für Ihre Mail. Den Rücksendeschein werden wir am Paket befestigen. Bitte veranlassen Sie eine entsprechende Abholung.

Mit freundlichen Grüßen,
..."

Wieder eine fixe Antwort:
"...Guten Tag,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Innerhalb von Deutschland können wir keine Abholungen vornehmen. Bitte schauen Sie einmal anhand des Links, wo sich der nächste Paketshop in Ihrer Nähe befindet.

Bei weiteren Fragen können Sie uns gerne kontaktieren.

Vielen Dank.

Freundliche Grüße
Impag Vertriebs-GmbH

(Frau M.)
- Verkaufsleitung -"

OK, ich hole also aus und bitte um Verständnis für unsere Situation. Vielleicht ist Deutschland ja doch nicht so eine Servicewüste, wie es gern gescholten wird.

"...Sehr geehrte Frau M.,

der nächste Paketshop befindet sich in ca. 10km Entfernung, wie Sie sicherlich selbst leicht recherchieren können. Wir haben weder ein Auto noch die Möglichkeit, den sehr großen Artikel mit einem Kinderwagen dorthin zu transportieren.

Wir bitten Sie daher erneut um Abholung des Artikels.

Mit freundlichenGrüßen,
..."

Die Antwort dauert nicht lang. Und die leicht geänderte Formulierung macht deutlich: Es wäre sehr wohl möglich, die Sendung abzuholen - nur eben 'nicht üblich':

"...Guten Tag,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Es tut uns leid, aber innerhalb von Deutschland sind keine Abholungen üblich. Dies werden Sie auch
bei anderen Online Plattformen wie zb. Amazon feststellen.

Bei weiteren Fragen können Sie uns gerne kontaktieren.

Vielen Dank.

Freundliche Grüße
Impag Vertriebs-GmbH

(Frau M.)
- Verkaufsleitung -"

Mir reichts. Auch bei Amazon ist eine Abholung nicht üblich, stimmt. Deren Standard-Dienstleister DHL jedoch hat erstens Zustellpunkte und -Möglichkeiten in fast jedem Ort und außerdem einen Außendienst, der das dann meistens trotzdem mitnehmen kann. Deswegen habe ich der netten Vertriebsleiterin noch einen kleinen Dankesbrief als Abschied spendiert.

"...Sehr geehrte Frau M.,

vielen Dank für Ihre Mail.
Bitte entschuldigen Sie unseren scheinbar unüblichen Wunsch. Wir werden einen Weg finden, wie wir die Rücksendung trotzdem ermöglichen können.
Wie Ihnen sicher nicht entgangen ist, sind wir nicht Auftraggeber der Bestellung, sondern lediglich die unglücklichen Empfänger, die zu Weihnachten jetzt zwei Schlitten hätten.
Unabhängig davon ist die von Ihnen an den Tag gelegte Serviceorientierung ein guter Grund, nicht nur garantiert die Rücksendung vorzunehmen, sondern auch entsprechende Rezensionen im Netz zu veröffentlichen.
Ferner wird sich dieser Schriftwechsel anonymisiert auf unserem Blog wiederfinden, um die Rezensionen mit Fakten zu unterlegen.
Rein betriebswirtschaftlich gesehen dürfte Sie die Auseinandersetzung im Schriftverkehr mindestens ebenso viel gekostet haben wie eine durchaus mögliche Abholung - von den Folgen der kommenden Veröffentlichungen ganz abgesehen. Das zu beurteilen und daraus Schlüsse zu ziehen überlassen wir Ihnen allerdings gern.

Wir wünschen Ihnen noch eine wundervolle Woche und ein wenig mehr Einfühlsamkeit im Umgang mit Kundenanliegen für die Zukunft.

Mit freundlichen Grüßen,
(Wir)"

Ich habe zwar noch keine Ahnung, wie wir das logistisch wuppen sollen, aber mir fällt schon noch was ein. Und wenn ihr mal einen Schlitten braucht: Kauft lieber bei Anbietern, deren Kunden nicht nur als betriebskostenoptimierte Geldquellen angesehen werden.

Samstag, 26. Oktober 2013

Medienkompetenz

Neulich schaffen es Trigger vermehrt, mich in ihren Bann zu ziehen. So zuletzt geschehen bei der von @dorobaer initiierten Wunschliste für die Koalitionsverhandlungen mit dem Schwerpunkt "Neuland".

Von vorn.

Vor einiger Zeit erfuhr ich vom Verbot von Facebook für Lehrer in Baden-Württemberg. Das sollte wohl zum Schutz der Schüler - und Lehrer - geschehen. Distanz aufrecht erhalten, Wahrung von Privatsphäre und so. Das ist herzlich akademisch gedacht und mindestens ebenso herzlich an den Lebenswirklichkeiten vorbei. Gleich mehr dazu (erstmal mag ich den Trigger noch in seiner ganzen Schönheit zusammenbauen).

Auf der Fahrt zu einer Konferenz in Frankfurt fielen mir die gesammelten Totholzwerke in der ersten Wagenklasse - und das fehlende WLAN - auf. Bei der Bahn regte ich an, doch die digitalen Ausgaben ebenso kostenfrei anzubieten, wäre ja für alle effizienter und resourcenschonender. Die Antwort und die Nichtreaktion auf meinen Einwand zeigen, dass es auch beim Twitterteam der Bahn noch Kunden für Angelas Neuland gibt.

Auf der Fahrt schließlich rutschte mir zuerst @presroi in die TL, man möge doch dem Tag #UADA folgen. Das sagte mir zu dem Zeitpunkt noch nix, aber kurz danach rutschte mir zusehends mehr davon ins Blickfeld. Nachdem @thodenk die Aufstellung der Teams für die Koalitionsverhandlungen leakte, und die beim Pelzig noch vor Kurzem vom Barwasserschen und der @manomama arg gewatschten Doro Bär nach Vorschlägen fragte, war mein Trigger fast komplett.

Fehlte nur noch ein unglaublich resistenter Herr (Name der Red. bekannt), der unermüdlich vergeblich sein Phone mit dem MacBook Air zu verheiraten versuchte - unter Windows 8. Und der schließlich den ungesperrten Rechner für eine ausgiebige Pause stehen ließ.
20131026-082118.jpg


Als ich schließlich eben diesen Beitrag einer Berliner Lehrerin in der ZEIT las, beschloss ich, meine 2 Cent in die Waagschale zu werfen - hier sind meine Gedanken zum Thema

Medienkompetenz.

Es ist wie eingangs erwähnt lebensfern, Facebook in der Schule verbieten zu wollen. Anstatt Schülern und Lehrern zu verbieten, sich mit sozialen Pattformen zu beschäftigen, sollten sie darin geschult werden, wie sie sich in diesem Medien bewegen. Was es heißt, dort Daten zu veröffentlichen. Was es bedeutet, wenn über Whatsapp Intima ausgetauscht werden. Was es bedeutet, auf Instagram oder Tumblr Bilder von sich zu posten.

Es geht nicht nur darum, die Inhalte aktiv und passiv verantwortungsvoll zu nutzen. Zu wissen, was mit den Daten geschieht, die "mal eben" geteilt werden. Es geht nicht nur darum, zu lernen, wie eine Tageszeitung (gleich in welcher Form) gelesen werden kann, was Journalisten und Blogger unterscheidet oder verbindet. Es geht nicht nur darum, zu lernen, verschiedene Standpunkte einnehmen zu können. Es geht nicht nur darum, wie mensch in der vernetzten Gesellschaft Wissen nutzt und aufbaut.

Es geht auch um die Proprietät der Anwendungen, die geschlossenen Plattformen, die sich davonschleichende Neutralität von Diensten und Services im Internet. Sie erfordern ein Verständnis auf der Metaebene der Kommunikation. Es geht auch darum zu verstehen, was Medien erreichen wollen. Es geht darum zu hinterfragen, wie die Medienlandschaft funktioniert.

Was unterscheidet denn die digitale Ausgabe der Süddeutschen von deren Internetseite? Was heißt Verantwortung im Umgang mit sensiblen Daten auf unseren tragbaren Geräten? Was genau ist die Vision eines Marc Zuckerberg, un ab welchem Punkt ist mensch womöglich nicht mehr konform mit diesen Vorstellungen? Welche Schlüsse kann mensch daraus ziehen? Von welcher Bedeutung ist für mehrheitlich alte weiße Herren ein so umfassendes "Neuland", dass sie es als Subkategorie unter die "Kultur" in die Koalitionsverhandlungen einsortieren? Wie wenig Bewusstsein existiert für ein Medium, das inzwischen ein integraler Bestandteil des Persönlichkeitsprofils junger Menschen ist? Warum sonst ist ein junger Mensch ohne ein "digitales Ich", ohne Spuren im Netz, fast schon generalverdächtig? Warum fordern nicht nur von kommerziellen Interessen geleitete Geister, sondern auch jüngere Politiker ein grundlegendes Umdenken bei dem Begriff "Privatsphäre"?

Es gibt viele Fragen zu beantworten. Fragen, die die Medienkompetenz in diesem Land (aber nicht nur hier) betreffen. Dabei geht es nicht nur um die förderungswürdige Medienkompetenz, die ich mir für unsere Jugend wünsche. Es geht auch darum, die Medienkompetenz der mehrheitlich alten weißen Herren herzustellen. Denn deren Verständnis dafür ist die Basis, dass sie die richtigen Weichen überhaupt zu setzen vermögen.





Sonntag, 20. Oktober 2013

Sonntag, 13. Oktober 2013

Umstiegsservice bei der Deutschen Bahn: Für Mobilitätseingeschränkte

Anruf bei der Deutschen Bahn, Abteilung Service. Es geht um eine Hilfe beim Umstieg mit einem Kinderwagen. Erster Anrufversuch. Ansage "Dieser Service der Deutschen Bahn kostet Sie 20 Cent pro Anruf." ertönt, danach bricht die Verbindung ab. Zweiter Anruf. Diesmal klappt's.

Reisende: "Guten Morgen. Ich fahre morgen von Neu Wulmstorf nach Göppingen. Da ich mit einem Kinderwagen allein reise, wollte ich gern Ihren Umstiegsservice in Anspruch nehmen - zuletzt waren die Aufzüge und Rolltreppen in Harburg häufig nicht nutzbar. Dort muss ich aber umsteigen."

Bahn-Hotline: "Mit welcher Verbindung fahren Sie?"

Reisende: "Morgens mit Der S-Bahn um 5:01 bis Harburg, dann mit dem ICE. Der Umstieg in Stuttgart ist unproblematisch, das ist ja ein Kopfbahnhof."

Bahn-Hotline: "Das sind nur 10min Umsteigzeit. Wir bieten den Service nur mit einer Mindestumstiegszeit von 15min."

Reisende: "...?!"

Bahn-Hotline: "Außerdem ist um die Uhrzeit ist noch keiner in Harburg, da müssen Sie bis Hamburg Hauptbahnhof fahren."

Reisende: "Dann erreiche ich den ICE aber nicht mehr."

Bahn-Hotline: "Nehmen Sie doch eine S-Bahn früher."

Reisende: "Dann müsste ich den Nachtbus fast zwei Stunden früher nehmen, in Harburg in die S-Bahn umsteigen, wobei mir keiner helfen kann, weil noch niemand da ist, um - lassen sie mich schauen (Pause, fixe Internetrecherche) - 12 Minuten vor Abfahrt des ICE in Hamburg am Hauptbahnhof zu sein?"

Bahn-Hotline: "Das sind weniger als 15min Umsteigzeit, da können wir Ihnen den Service nicht anbieten."

Reisende: "Und wie kann ich jetzt sicherstellen, dass ich die mir von Ihren Kollegen verkaufte Verbindung nutzen kann?"

Bahn-Hotline: "In Stuttgart gibt es auch Aufzüge. Dort können Sie diese nutzen. Da können wir Ihnen den Umstiegsservice anbieten."

Reisende: "Stuttgart ist ein Kopfbahnhof. Die Aufzüge dort gehen zur S-Bahn. Die brauche ich nicht nutzen, weil ich nur ebenerdig von einem Zug zum nächsten gehen muss. Dort brauch ich den Service nicht, sondern beim Umstieg in Hamburg-Harburg!"

Bahn-Hotline: "Aber in Stuttgart können Sie unseren Service nutzen."

Reisende: "Danke für nichts."

Aufgelegt.

Dienstag, 8. Oktober 2013

20 Dinge, die keine 42 sind

Nachdem Juna so nett fragte, versuche ich mal, meine chronische Faulheit zu überwinden und das Stockblögchen... Pardon: Blogstöckchen aufzunehmen und weiterzutragen.

20 Dinge über mich. Reihenfolge: willkürlich.

1. Ich bin ein ziemlich chaotischer Mensch. Aus diesem Grund und der latenten Befürchtung heraus, in diesem Chaos zu ersaufen, neige ich zu Ordnungswahn, der mich in unregelmäßigen Abständen überfällt und zu hektischer Betriebsamkeit verleitet.
2. Ich bin chronisch schreibfaul, was in Kombination mit ersterem dazu führt, dass ich, wenn ich denn mal etwas schreibe, vergleichsweise viel am Stück von mir gebe und dann wieder in Ruhe und vermeintlicher Wortlosigkeit versinke. Das ist vergleichsweise gut nachvollziehbar, wenn man sich mal meine Äußerungen auf Twitter zu Gemüte führt.
3. Nicht bleibt besser in meinem Hirn haften als unnützes Wissen.
4. Wenig gebe ich lieber an meine Mitmenschen weiter als eben dieses unnütze Wissen. Demzufolge bezweifle ich, dass es in meinem näheren Umfeld noch eine Person gibt, die nicht inzwischen weiß, dass Erdbeeren Sammelnussfrüchte sind. (Ja, genau, die kleinen Pickel auf dem roten Böbbel sind die Früchte, nicht der so wundervoll süß-aromatische Scheinfruchtkörper!)
5. Der Drang, mich als Erklärbär zu verdingen, ist in Verbindung mit Punkt 4 eine wirksame Kombination, die Geduld meines Gegenüber auf eine harte Probe zu stellen. Gern auch mal unbemerkt.
6. Ich höre gern zu. Tue ich das, erscheine ich reichlich passiv, tatsächlich versuche ich, mich in mein Gegenüber hineinzuversetzen.
7. Empathie gehört meiner Meinung nach zu den Schlüsselindikatoren für Menschlichkeit bzw. Empfindsamkeit im Generellen. Entsprechend intensiv gebe ich mich ihr auch hin.
8. Ich weigere mich, aufgrund schlechter Erfahrungen anderen gegenüber verschlossener oder vorsichtiger aufzutreten. Jeder Mensch verdient meiner Meinung nach die gleiche Offenheit und Unvoreingenommenheit. Das mag mich verletzlicher machen, weil ich leichter auf die gleiche Weise ausnutzbar bin, aber den Preis bin ich gern bereit zu zahlen.
9. Als Konsequenz zu Punkt 8 ist für mich Gleichberechtigung essenziell. Und das meint nicht etwa nur die Gleichberechtigung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Abstammung oder Geschlecht. Sondern auch die Gleichberechtigung von Mensch, Tier und Natur.
10. Jemand anderes glücklich zu machen macht mich glücklich.
11. Ich halte die aktuell vorherrschenden westlichen Demokratieformen für überkommen und stark renovierungsbedürftig.
12. Ein guter Wein und ein gutes Gespräch ist für mich mehr wert als alles Geld der Welt.
13. Macht gehört meiner Meinung nach in die Hände derer, die nicht nach ihr begehren.
14. Obwohl ich in einer "traditionellen Ehe" liiert bin, halte ich diese Form des Zusammenlebens nicht für die einzig wahre, ja noch nicht einmal für die beste. Liebe braucht weder eine Institution noch eine Formalisierung. Sie gehört verschenkt und empfunden, nicht mehr und nicht weniger.
15. Menschen, die meinen, "nur eine einzige Person je" zu lieben, halte ich für unglaublich arm. In der Tat hege ich persönlich Zuneigung zu mehr als einer Person, auch dergestalt, dass ich offen von Liebe sprechen würde. Gleichwohl heißt das nicht, dass ich deswegen den besagten Kreis (der übrigens aus mehr als einem Geschlecht besetzt ist) gern begatten würde. Liebe und Sex sind für mich zwei Paar Schuhe, die gern zusammengehören können und dürfen, aber längst nicht müssen.
16. Absolutismen beliebiger Couleur sind ein rotes Tuch für mich. Sie sind bestenfalls Indikatoren dafür, dass eine Person versucht, anderen das eigene, simplifizierte Weltbild zu oktroyieren.
17. Ich neige dazu, meine Satzkonstruktionen derart zu verkomplizieren, dass die grammatikalischen Kostruktionen, garniert mit allerlei sinnarmen Nebenkonstrukten, verziert mit bevorzugt ältlich angehauchter Wortwahl, sowohl mich als auch den am Ende des Satzes unter Umständen weniger geneigten Lesenden* gern zur Verwirrung führen.
18. Ich mag keine Listen.
19. Wenn ich merke, dass ein Mensch jemand anderes ausnutzt, benutzt, degradiert, etc., schwillt mir der Kragen. Viel zu oft bleibe ich in solchen Situationen allerdings still, zum einen, weil ich mir nicht sicher bin, die Situation nicht vielleicht doch falsch einzuschätzen, zum anderen, weil ich fast automatisch versuche, mich in die Beteiligten zu versetzen und sie zu verstehen - sowohl den Aktiven wie auch den Defensiven. Nur um mich anschließend zu ärgern, nichts oder nicht genügend getan zu haben.
20. Je ernster eine Situation ist, desto ruhiger und systematischer reagiere ich. Als beispielsweise vor einigen Jahren mein Bruder zuhause, schwer gezeichnet vom ihn verzehrenden Krebs nach mehr als 3 Jahren Kampf starb, blieb ich die komplette Zeit bei ihm, bis die physischen Reaktionen endeten. Parallel hielt ich mit aller Entschiedenheit unsere Mutter zurück, um ihr diesen Anblick des letzten Aufbäumens, des letzten Kampfes, zu ersparen. Das Säubern von den Spuren, die Herrichtung für die Abholung durch die Bestatter, alles lief in tiefer Ruhe ab. - Die Bilder werden mich ein Leben lang verfolgen. Aber eben nur mich, nicht andere.
21. Abrupte Wechsel kann ich gut - mal abgesehen von meinem schwermütigen Schreibstil bin ich im Gründe genommen ein ziemlich humoristisch angehauchtes Menschenkind, das unglaublich gern lacht und sich direkt nach Dingen wie dem Nachdenken über Punkt 20 grinsend daran erinnert, wie eben jener Bruder bei meinem Pfeffer-Experiment (Muss er niesen, wenn ich ihm das in die Nase streue?) einen horrenden 20-minütigen Schnäuzanfall mit Dutzenden von Niesern hatte. (Ich war übrigens 10 und damals schon naturwissenschaftlich verdorben, er war 6).
22. Mit 13 las ich in der P.M. In einen Artikel über schwarze Löcher, dass diese Wärme abstrahlen. Da Wärme auch nur Energiearmes Licht ist und schwarze Löcher ihrem Namen nach nun eben kein Licht rauslassen sollten, wollte ich das genauer wissen. Niemand könnte mir das jedoch erklären, weswegen ich trotz mit Abstand schlechtester Note im Abi ein Physikstudium begann, das ich nach knapp 2 Semestern hoffnungslos unwissend abbrechen musste.
23. Nach dem dritten Bier auf einer Musikwissenschaftler-Party in Heidelberg erklärte mir 13 Jahre nach dem Artikel in der P.M. Und 7 Jahre nach dem gescheiterten Physikstudium jemand beim Grillen, wie das mit der Wärmeabstrahlung bei schwarzen Löchern funktioniert.
24. Als 5-Jähriger schlug ich mir beim Anschubsen meiner Kindergartenfreundin auf der Schaukel ein Loch in den Kopf. Als ich fühlte, dass dort etwas fehlte, begann ich unverzüglich, im Sand unter der Schaukel nach dem fehlenden Stück Haut zu suchen.
25. Als ich am Nachmittag mit dem genähten Loch im Kopf nach Hause kam, war ich mächtig stolz und brüllte es meiner Mutter aus dem Erdgeschoss durchs Treppenhaus in den3. Stock entgegen.
26. In der 5. Klasse traf mich die Erleuchtung, dass ich Idiot an der Schaukel hätte nachsehen können, ob dort das Stück Haut klebt.
27. Ich kann zwar zählen, aber Regeln sind auch eher so bla. (Außerdem: Siehe Punkt zwei.)

Gern mag ich dieses Dingens hier weitergeben, und zwar an die Holde, Sugarygoo und Juliane. Würd mich freuen, von euch zu lesen!

Dienstag, 25. Juni 2013

Explodiert

Ich bin in einem Liebesbrief an unsere Freunde beim Amt für personenbezogene Beförderungsfälle explodiert. Sie schrieben mir nach mehr als einem Monat schwebender Unklarheit und vorangegangener Konversation folgendes:

"Sehr geehrter Herr Pelz,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 24. Juni 2013.

Gerne würden wir Ihnen Ihre Karte schon heute zuschicken – doch dafür fehlen uns noch einige Angaben. Deshalb unsere Bitte: Ergänzen Sie die fehlenden Daten auf diesem Schreiben unter Angabe der Bearbeitungsnummer 1-11335659586 und schicken Sie es per Brief an den BahnCard-Service in 60643 Frankfurt am Main oder per E-Mail an bahncard-service@bahn.de.

Nachname des Kindes:
Vorname des Kindes:
Geburtsdatum des Kindes:

Bitte melden Sie sich bei uns, wenn Sie Fragen zu diesem Schreiben haben oder weitere Informationen wünschen: Sie erreichen uns per E-Mail unter bahncard-service@bahn.de oder telefonisch montags bis freitags von 7:00 Uhr bis 21:00 Uhr und samstags von 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr unter der Rufnummer 0180 6 340035*.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Team vom BahnCard-Service
"

Daraufhin musste ich meinem Zuneigungspotenzial freien Lauf lassen.

"Liebes Team vom BahnCard-Service,

ist es SO schwer, alle noch notwendigen Informationen mit der ERSTEN Mail anzufordern?!
Erste Mail: Bitte Rückruf.
Beim Anruf: "Geht nicht am Telefon, brauchen Kindergeldnachweis."
Meine Nachfrage: "Sonst noch weitere Informationen erforderlich?"
Antwort: "Nein."
Jetzt diese Mail...

War es das dann jetzt?

Unsere Tochter heißt *@fleischbaerchen und wurde am *Mittwoch geboren.

Mit freundlichem (aber auch hoffentlich nachvollziehbar leicht genervtem) Gruss,
Steffen Pelz
"

*da standen im Original dann die für euch gänzlich uninteressanten Fakten ;)

Freitag, 10. Mai 2013

Die re:publica 2013 aus den Augen eines Newbies

Vom ersten Tweet bis zum letzten Blogbeitrag.

Wir werden, anders als die Generationen vor uns, nahezu selbstverständlich ein Digitales Ich hinterlassen. Und damit muss man sich beschäftigen.

Das ist nur eine von vielen Perspektiven gewesen, die ich auf der diesjährigen re:publica, kurz #rp13, erleben durfte. Lisa Rank, auf Twitter bekannt als @kumullus, sprach in einem Panel über dieses Thema. Dass sie dabei eine sehr persönliche Perspektive einnahm, erkannte ich an Kleinigkeiten. So sprach sie über ihre Mutter, die im Fall des Falles nichts mit ihrer digitalen Hinterlassenschaft anzufangen wüsste. Als relativ frisch gebackener Vater hätte ich die Überlegung vermutlich aus der Perspektive meiner Tochter gesehen.

Darum geht's aber gar nicht. Es zeigte, wie sehr sie persönlich hinter dem stand, was sie vortrug.

Und dieses Gefühl hatte ich bei vielen Vorträgen, Diskussionen und Workshops. Egal, ob Max Schrems in seinem Workshop zu "Europe vs. Facebook" schonungslos und geradeaus die Schweinereien des Quasimonopolisten offenlegt. Ob Johnny und Tanja Häusler ihren denkwürdigen Rant zu Bildung und Familie auf die Bühne kotzen. Ob Anne Wiezorek wortlos einem schweigenden Saal Beispiele zu Demütigungen präsentiert, die in der #aufschrei-Debatte zu Tage kamen.

Lisa, Max, die Häuslers, Anne: sie alle stehen für ein Ereignis, dass ich in der Form so nicht erwartet hätte. Die re:publica ist keine "Internetkonferenz von Spezis für Spezis" mehr, auch wenn sie vielleicht mal dort gestartet war.
Sie steht auf der Schwelle von einer Bewegung von Idealisten zur Einflussnahme auf die Politik. Dieser Eindruck lag zum Greifen nahe in der Luft. Sascha Lobo fasste es in Frust und Worte, Gunter Dueck kritisierte mehr oder weniger subtil.

Dem Beifallssturm nach dem Bericht, was #aufschrei auch in den althergebrachten Medien bewirkte, ist ein Indiz für den Willen, nicht länger zuzuschauen, wie skeptische alte Herren die Welt von morgen mit Methoden von vorgestern zu beherrschen suchen. Nicht anders war es bei der Häuslerschen Viertelstunde.

Und die Quintessenz der 3 Tage ist so simpel, wie es nur irgend geht: Willst du Veränderungen, dann ist Diskutieren toll, Überlegen schick, Analysieren gut. Und was hilft, ist:

MACHEN.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Liebe Mitschwanzträger!

Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige von euch Pseudopremiumausgaben tief drinnen spüren, wie es um die Differenz zwischen ausgeübter und tatsächlich berechtigtem Anspruch auf Macht bestellt ist.
Diese kleinen Momente, in denen ihr nicht ganz sicher seid, wie ihr eure vermeintliche Souveränität aufrecht erhalten sollt, verraten euch.

Und was macht ihr in diesen Momenten? Ihr flüchtet vor der Möglichkeit, euch der Realität zu stellen. Ihr sucht nach Rollenvorbildern, die euch aufzeigen, wie ihr eure Macht behalten könnt. Euer treibender Faktor ist die Angst. Die Angst, eine weniger einflussreiche Position zu haben. Möglicherweise sogar die Angst davor, dass ihr euren wahren Platz findet könntet und er euch nicht gefällt. Oder schlicht die Angst vor Veränderung.

Das ist, mit Verlaub, arm. Und ihr merkt es nicht einmal. Ihr denkt, niemand würde bemerken, wenn ihr diese kleinen Unsicherheitsmomente an den Tag legt. Und ihr irrt euch gewaltig.

Dabei gäbe es für euch nur zu gewinnen. Was ihr braucht - wie jeder andere Mensch auch - ist Bestätigung. Bestätigung auf gleicher Augenhöhe heißt Respekt. Und diese Bestätigung ist ungleich mehr wert als die Bestätigung, die ihr durch Aufschauen oder Anhimmelei erhalten könntet. Aber diese Erfahrung zu sammeln hieße, offen für eine Veränderung zu sein. Und davor habt ihr ja Angst.

Und merkt ihr noch etwas? In diesem Beitrag hab ich mit keinem Wort euer Gegenüber klassifiziert. Es ist nämlich egal, ob es eine Frau, jemand aus anderen Kulturkreisen oder anderer sexueller Orientierung ist: der Fehler im Mechanismus des Patriarchats seid ihr, ihr armen Würstchen.

Mittwoch, 20. Februar 2013

Respekt ist nur der Anfang

Nachdem Mina heute über den nach wie vor fehlenden Respekt zwischen Menschen schrieb, hat mich der Gedanke und die Konsequenzen daraus nicht mehr in Ruhe gelassen.

Respekt ist die Basis eines gleichwertigen Umgangs miteinander. Ein Kommentar hinterfragt, welche "Art" Respekt denn gemeint sei. Und unterscheidet zwischen Menschenwürde und 'durch Leistung erworbenen Respekt'.
Diese Unterscheidung ist nicht nur unnötig, sondern sogar irreführend. Es ist schlicht irrelevant, ob wir einem Werk, einer Tat, einem Wesen oder einer Haltung mit Respekt begegnen. Es ist die Wertschätzung, die im Moment des Respekterweisens maßgeblich ist. Das Begegnen mit der Person, der Haltung, dem Werk, dem Wesen auf Augenhöhe.

Und hier setzt meiner Meinung nach der Knackpunkt der #Aufschrei-Debatte an. Machtausübung in ihrer klassischen Form ist die Dominanz des Gegenüber, ganz gleich, ob Person, Werk, Haltung oder Wesen. Und die Dominanz manifestiert sich in verschiedenen Weisen: Repression gegenüber Personen, Abschätzigkeit gegenüber Werken, Herablassen gegenüber Haltungen, Misshandlungen von Wesen.

Die klassische Dominanz ist in Deutschland die überwiegende Form der Machtausübung. Ob im Job in der Firmenhierachie, in der Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr, in den mannigfaltigen Beispielen aus den #Aufschreien.

Aber die Zeit ist reif für eine neue Form der Machtausübung. Man kann sie riechen, sie kommt an allen Ecken und Enden hervor. Und zwar die der situativen Dominanz. Erste Marken definieren sich nicht mehr nur über Werbung, sondern über die Akzeptanz durch die Käufer. Produkte haben zunehmend Erfolg in Relation zu den über sie verfügbaren positiven Kundenbewertungen und -rezensionen. Egal, ob die Hersteller das toll finden oder nicht.
In der Beziehung von Personen untereinander findet sich diese Entwicklung in der Familie am ehesten wieder. Stand früher(TM) unbedingter Gehorsam den Eltern oder Großeltern gegenüber auf der Tagesordnung, ist mittlerweile das konstruktive Hinterfragen der 'gesetzmäßigen Autorität' angesagt. Damit meine ich nicht pubertäres Aufbegehren, sondern das Einfordern einer Begegnung der Generationen auf Augenhöhe. Je nachdem, wer die stichhaltigeren Argumente vorbringen kann, ist situativ dominant.

Dominanz an sich ist nichts negatives. In einer hierarchisch organisierten Gesellschaft - und damit auch in einer Demokratie - bedarf es einer Strukturierung.
Während allerdings die klassische Form der Dominanz erniedrigend und konfliktfördernd wirkt, ist situative Dominanz ein Produkt gegenseitigen Respekts und damit überwiegend konstruktiv. Das ist auch das Prinzip der Demokratie: In einer Gruppe diskutieren die Mitglieder auf Augenhöhe miteinander und wertschätzen die Beiträge voneinander. Mehrheitsfähig und damit dominant ist die überzeugendste Darstellung. (Soweit die Theorie. Die aktuell beobachtbare Demokratie hierzulande sieht leider anders aus.)

Diese Flexibilität in der Ausübung und Anerkennung von Dominanz widerspricht aber den herrschenden Vorstellungen von Machterhalt der bestehenden Eliten. Schließlich ist das Dominieren durch Repression einfacher als die fortlaufende Diskussion von Ideen. Und das merkt man insbesondere an der Art, wie Politik und Wirtschaft in Deutschland derzeit gelenkt werden.

Das Erkämpfen von Respekt ist also nur der erste Schritt nach der #Aufschrei-Debatte. Die Bereitschaft, mit jeder Auseinandersetzung Dominanz situativ neu zu ermitteln und anzuerkennen, erfordert ein substanzielles Umdenken bei allen.